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Nov 24

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Das ABDA-KBV Modell. Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern – reine Zukunftsmusik oder ein Meilenstein in der Gesundheitspolitik?

Das ABDA-KBV Modell

Die ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) und die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) haben ein gemeinsames Konzept erarbeitet, um die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zu verbessern.

Das Modell ist auf drei Säulen aufgebaut: Wirkstoffverordnung, Medikations-Katalog und Medikationsplan.

Wirkstoffverordnung

Zunächst verordnet der Arzt  einen Wirkstoff, die Stärke und die Menge. Der Apotheker wählt dann selbst ein rabattiertes Fertigarzneimittel. Die Regress-Regel für den Arzt soll dadurch wegfallen. Die Pharmazeutischen Unternehmer sollen auf der Packung des Arzneimittels den genauen Wirkstoffnamen dominierend hervorheben. [Für den gesamten Artikel bitte unten klicken]

Medikations-Katalog

Bis spätestens 2014 soll eine Liste, für alle Indikationen, empfehlenswerter und für die GKV wirtschaftlichen Arzneimittel erstellt werden.  Hierdurch sollen Geldeinsparungen erzielt werden.

Medikationsplan

Die letzte Säule ist der gemeinsame Medikationsplan zwischen Ärzten und Apothekern. Er soll vor allem bei multimorbiden Patienten mit Polymedikation erstellt werden. Die zusätzliche pharmazeutische Betreuung soll die Compliance verbessern und Arzneimittelbezogene Probleme reduzieren. Durch die damit verbundene Therapiesicherheit erhofft man sich schließlich weniger Krankenhausaufenthalte, mehr Lebensqualität für die Patienten und vor allem Kosteneinsparungen für die GKV.

Die Gesamtkosteneinsparung würden nach Berechnungen der ABDA ca. 2,1 Mrd. € betragen. Angesichts dieser Zahlen sollen Ärzte und Apotheker, zu gleichen Teilen, mit 320 € pro Patient, insgesamt 700 Millionen € in einem Jahr honoriert werden.

Aktuelle Meldungen seit 24. November

Dieses Modell sollte schon im Juni 2011 in einigen Regionen getestet werden, allerdings gibt es derzeit noch hitzige Diskussionen. Es gibt viele Befürworter aber auch Kritiker. Eines steht aber fest: Sollte sich dieses Modell durchsetzen, so wäre dies ein historischer Meilenstein im Bereich der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern. Ich würde diesen Schritt daher sehr begrüßen. Das Modell soll nun in bestimmten Regionen getestet werden. Nach den Absagen der Kassenärtze von Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein sind die derzeitigen Favoriten Westfalen-Lippe und Thüringen.  Nach erfolgreichem Abschluss müsste man entscheiden wie und  in welcher Form dieses Modell  in das Versorgungsstrukturgesetz (VStG) übernommen wird.

Das zentrale Problem scheint die Honorierung zu sein.

Es bleibt weiterhin spannend…

Weitere Kurzinformationen:

Informationsvideo über das Gemeinsames Konzept von KBV und ABDA

Hier geht es zum Video

 

Pharmazeutische Betreuung

„Pharmazeutische Betreuung Mitverantwortung und Eingliederung des Apothekers in die Arnzeimitteltherapie des Patienten um Arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen, zu verhindern, sowie die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.“

[notice]Dieser Artikel wurde von mir auch bei Wikipedia veröffentlicht. [/notice]

Arzneimittelbezogene Probleme

Unter Arzneimittelbezogenen Problemen (kurz: ABP) versteht man Komplikationen, die im Zusammenhang mit einer Arzneimitteltherapie durch das Arzneimittel selber beim Patienten hervorgerufen wird. Arzneimittelbezogene Probleme beeinträchtigen den Therapieerfolg. Hier greift die Pharmazeutische Betreuung, indem sie vor oder während der Therapie arzneimittelbezogene Probleme identifiziert und rechtzeitig interveniert.

Beispiele für Arzneimittel Bezogene Probleme

Non Compliance
Dosis zu hoch
Falsches Arzneimittel
Unerwünschte Nebenwirkungen
Unnötige Arzneimitteltherapie

SOAP Methode

Ein Hilfreiches Instrument bei Erkennung Arzneimittelbezogenen Probleme ist hierbei die SOAP Methode.

S- Sammeln von Subjektiven Informationen durch Befragung. Beispiel: Patientin klagt über schmerzen.
O- Sammeln von Objektiven Daten durch Messdaten. Beispiel: Clearence, Blutdruck.
A- Analyse welche arzneimittelbezogene Probleme? Beispiel: Non Compliance oder Wechselwirkung Medikamente
P- Plan oder Lösung der arzneimittelbezogenen Probleme. Wie kann man die Compliance verbessern?
Sammeln von Subjektiven und Objektiven Informationen einen Analyse und der Plan.

Literatur:

Ulrich Jaehde, Roland Radziwill, Stefan Mühlebach, Walter Schunack: “Lehrbuch der Klinischen Pharmazie“. 2. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003. ISBN 3-8047-1939-2

Quellen:

Hepler, C. D., Strand, L. M., Opportunities and responsibilities in pharmaceutical care. Am. J. Hosp. Pharm. 47 (1990) 533-543.

http://www.farmatix.com/news.php?extend.83.1

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/news/2011/11/04/kv-thueringen-begruesst-abdakbv-modell.html

 

 

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