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Sep 29

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Notfalldepot und Vorratshaltung in der Apotheke

Notfalldepot und Vorratshaltung in der Apotheke

In § 15 (Vorratshaltung) Abs. 1 Satz 1 der Apothekenbetriebsordnung ist festgelegt, welche Arzneimittel oder Arzneimittelgruppen eine Apotheke vorrätig haben muss um eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können. Die Vorratsmenge soll mindestens für den durchschnittlichen  Bedarf einer Woche ausreichen. Die Arzneimittel sind in Anlage 2 (zu § 15 Abs. 1 Satz 1) zusammengefasst. Des Weiteren ist eine Apotheke nach der Apothekenbetriebsordnung (§ 15 Abs. 1 Satz 2) verpflichtet einige Arzneimittel bei Notfällen bereitzuhalten und  diese zur Verfügung zu stellen oder diese kurzfristig und rasch zu besorgen.

Die Arzneimittel und Arzneimittelgruppen die in der Apotheke im Notfalldepot zu halten sind in Anlage 3 (zu § 15 Abs. 1 Satz 2) einmal aufgeführt.  Jede Apotheke verfügt darüber hinaus auch eine Liste mit Telefonnummer über die Giftzentren in Deutschland.

Notfalldepot: Antidote laut Anlage 3 (zu § 15 Abs. 1 Satz 2) gegen Intoxikationen und Überdosierungen mit

  • Opiaten: (Maßnahme Naloxon i.v. ; bei  übermäßigem Gebrauch von Drogen). Naloxon ist Opiatrezeptor-Antagonist
  • Cholinesterase-Hemmern: bei Vergiftungen mit Insektiziden zum Beispiel: Organophosphate, Parathion;  diese hemmen irreversible die Acetylcholinesterase. Folge: ständige Nervenimpulse, Krämpfe und schließlich Atemstillstand. Maßnahmen:  Atropin Ampullen i.v. (Parasympatholytika, hemmt  antagonistisch muskariniche ACh Rezeptoren und erst in höheren Dosen  auch  nikotinische  ACh Rezeptoren durch Antagonismus. Mehrfache Gabe je nach Symptomatik 5 -5 0 mg. Weitere Möglichkeit: Aber eher in Notfallzentren. Obidoxim (Toxogonin®): i.v.; Reaktivierung der ACh – Esterase. Zum nachlesen: Rote Liste: Toxikologische Notfallausrüstung
  • Cyanid  mit (DMAP (Dimethylaminophenol anschließend  Natriumthiosulfat  Ampullen
  • Methämoglobinbildner wie Nitrate oder Nitriten mit Redoxfarbstoff Toulduidinblau, Methylenblau = Haut verfärbt sich vorübergehend blau
  • Einsatz von Emetika; Ipecacuanha Sirup p.o (Haltbar max. 1 Jahr), Apomorphin i.v. ist Dopamin 2 Agonist. Apomorphin allein kann auch zu Hypotonie und Atemdepression führen, deshalb sollte man gleichzeitig ein alpha1-sympathomimetika wie Norfenefrin zuführen. Apomorphin ist für Kinder unter 6 Jahren Kontraindiziert. Auch bei Erwachsenen ist die Anwendung, vor allem wegen der Aspirationsgefahr, als  kritisch anzusehen

     

  • Einsatz von Hochdosierten Kortikoiden: Beispiel: Solu Decortin/ Prednisolon  zur Injektion als Antiphlogistikum; bei schweren allrg. Reaktionen
  • Mittel zur Behandlung von Rauchgasvergiftungen: Bespiel bei Ammoniak, Schwermetallgasen oder Chlorgas, die zu Lungenödemen führen können. Glukokortikoide  als Antiphlogitikum Inhalation (Ventolair= Beclometason-17,21-dipropionat) Empfohlen sind 4 Sprühtöße
  • Antischaum-Mittel gegen Spülmittelvergiftung: Dimethicon, Simethicon ; Beispiel: Sab Simplex
  • Medizinische Kohle ( Bei Lebensmittelvergiftung): Viel Kohle nötig: Wirkprinzip: Kohle hat große absorbierende Oberfläche
  • Tetanus-Impfstoff: Tetanol zur aktiven Immunisierung
  • Tetanus-Hyperimmun-Globulin 250 I.E.; Beispiel: Tetagam Todimpfstoff zur passiven Immunisierung

Notfalldepot Optional: Spezielle Vergiftungen und Antidote

Weitere aber nicht unbedingt in der Apotheke vorrätig zu haltende Antidota: : Diazepam gegen Krämpfe bei Epilepsie;  Biperiden bei  Überdosis Dopamin Antagonisten; Physostigmin bei Atropin Vergiftung
  1. Knollenblätterpilz Vergiftung : Silibin
  2. Benzodiazepine Überdosierung :  Flumazenil
  3. ß Blocker: Glucagon
  4. Cumarine: Vit. K
  5. Heparin: Protamin
  6. Ioniazid: Vit- B6 ( Pyridoxin)
Spezielle Vergiftungen und Maßnahmen: Knollenblätterpilzvergiftung
Geringe Mengen der Knollenpilze aus der Gattung der Wulstlinge (Amanita) können für den Menschen, aufgrund Leberversagens tödlich sein. Der Grüne Knollenblätterpilz besitzt  Amatoxine, diese sind Hemmstoffe der RNA Synthese. Folge ist keine Proteinbiosynthese und damit keine Nachbildung der Membranproteine.
  1. Darmschädigung
  2.  Zunächst Übelkeit, Durchfall, erbrechen ( nach ca.  8 – 12 Stunden) Diese Beschwerden klingen etwas ab
  3. Nach ca. 5 -8  Tagen dann die Leberschädigung –> Tod (Die Toxizität der Amanitine wird durch den enterohepatischen Kreislauf verstärkt)
Antidot: Silibinin aus den Früchten der Mariendistel. Silibinin blockiert Transporter und damit Aufnahme der Toxine in die Leber. Auch der Enterohepatische Kreislauf der Toxine wird unterbunden.
Ethylenglycol Vergiftung.

Die Alkoholdehydrogenase ist ein Enzym in unserem Organismus, welches die Reaktion von Alkoholen zu den jeweiligen Aldehyden, vor allem in der Leber und umgekehrt katalysiert. Problematisch ist auch wenn z.B.: Methanol zu Formaldehyd oder  Ethylenglycol zu Glycolaldehyd umgewandelt werden. Eine Vergiftung mit Ethylenglycol kann tödlich enden. Die  Alkoholdehydrogenase (ADH) wandelt  das Ethylenglykol auch zu Glykolsäure um. Dies Führt zur einer metabolischen Azidose. Die Symptome sind Übelkeit, Schwindel und kann bis zu völligem Nierenveragen führen.  Antidot: Fomepizol,  ein kompetitiven Hemmer der Alkoholdehydrogenase und Ethanol in hohen Dosen um die ADH zu Belasten.  Die Affinität von Fomepizol zur Alkoholdehydrogenase ist im Vergleich zu Ethanol etwa bis 1000-mal höher. Das Ethylenglycol wird dann unverändert renal ausgeschieden

In Anlage 4 (zu § 15 Abs. 2) sind Arzneimittel aufgeführt die eine Apotheke im Notfall schnell besorgen muss. diese müssen nicht im Notfalldepot gehalten werden.

Weitere Antidote im Notfalldepot könnten sein: ACC iv. für Paracetamol Vergiftungen

weiteres folgt in Sachen Notfalldepot

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