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Jun 12

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Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK)

Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK)

Definition und Einleitung

Die Periphere arterielle Verschlusskrankheit oder kurz PAVK wird charakterisiert durch die eingeschränkte Durchblutung der Arm – bzw. Beinarterien ( Extremitäten). Ursachen sind zu 95% durch Arteriosklerose bzw. Rauchen. Durch die Krankheit ist der Patient einem höherem Risiko vom für Herzinfarkt und Schlaganfall ausgesetzt.

Symptome

Beim Gehen entstehen Schmerzen in der Wadenmuskulatur. Der Patient braucht zwangsweise eine Erholungspause. Schaufensterkrankheit, deshalb weil die betroffenen Personen, aus Schamgefühl vor einem Schaufenster standen um anderen nichts anmerken zu lassen. In Deutschland leiden über 45 Millionen, also BRD: 15 – 20% der Bevölkerung über 70 Jahren, an dieser Krankheit.

Patientenfall (Name verändert)

59 jähriger Patient wegen Hüft-OP stationär
aufgenommen

Seit einem halben Jahr zunehmende Schmerzen in der linken Wade

BMI: 28,4 kg/m² (Übergewicht)

Symptomatische PAVK seit 02/09
– schon 2 synthetische Bypässe

Marcumar®-Patient und Einnahme von Statinen seit Diagnose.

PAVK – Stadium

Im linken Bein: Stadium 2b der PAVK, nach den Fontaine-Stadien → Bypassverschluss

Nach der Hüft-OP ist die Legung eines Venenbypasses geplant.

Medikation im Krankenhaus

Omep 40 ®, Omeprazol, 40mg
1 – 0 – 0

Ibuhexal 400 ®, Ibuprofen (NSAR), 400mg
1 – 1 -1- 0

Novaminsulfon 250 ®, Metamizol (nichtsaures Nichtopioid-Analgetika) 250mg
1 – 1 – 1 – 1

Oxygesic 10 ®, Oxycodon (Opoid), 10mg
1 – 0 – 1

Patienteninterview

Wichtig für die Compliance:

– Lebt allein
– Nimmt nicht gerne Tabletten. Am liebsten nur, wenn sie sofort wirken. Zum Beispiel Ibuprofen.

– An eigener Erkrankung nicht Interessiert.

Lebensgewohnheiten:
– Treibt keinen Sport – Isst gerne deftig

Familienerkrankungen:
– Häufiges Auftreten von Gefäßverschlußerkrankungen.
Wünsche:
– Schmerzfreiheit – Wieder arbeiten zu können

SOAP Schema

Subjektive Beschwerden:

1). Schmerz in der linken Wade, Muss beim Gehen alle 50m stehen bleiden, Wade kalt und schwillt beim sitzen an

Objektive Probleme

1). Popliteal- (Kniekehlenarterien-)puls kaum fühlbar.

2). Schlechte Leberwerte: Bilirubin und y-Glutamyltransferase erhöht.

Analyse

1). symptomatische pAVK Bypassverschluss – 35-jahre lang 15 Zigaretten am Tag

2). Marcumar kann die Leberfunktion verschlechtern und kann als UAW Gelbsucht (Bilirubin↑) verursachen

Plan

1). Schmerztherapie beibehalten Marcumar wenn möglich durch ASS austauschen. Statine wieder in die Medikation aufnehmen. Einsatz eines venösen Bypasses. Ernährungsumstellung, strukturiertes Geh- oder Bewegungstraining. Zu Letzt Risikoaufklärung.

2). Laborwete weiter überwachen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt Marcumar durch ASS austauschen

Kontrollparameter

1). Schmerz, Blutfettwerte, Körpergewicht, BMI, Quickwert bzw. INR und Blutdruck

2). Laborwerte: Bilirubin und GGT sowie Quickwert bzw. INR

Diskussion: Marcumar

Patient nimmt seit Februar 2009 Marcumar: Eine längere Einnahme kann die Leberfunktion bis hin zur Hepatitis verschlechtern und es kann zu einer Gelbsucht kommen.

– Atherosklerose-Standarttherapeutikum: ASS
– Marcumar wird nur aufgrund von begleitenden Erkrankungen eingesetzt (z.B. absolute Arrhythmie oder Lungenembolie).

→ Austausch des Marcumars durch ASS von Vorteil.
CAVE: Bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen
→ ASS eine halbe Stunde vor Ibuprofen einnehmen

Nach einer groß angelegten, prospektiven, randomisierten, multizentrischen Studie in Holland mit 2690 Patienten aus dem Jahr 2000 gibt es für den Vergleich von ASS und Vitamin-k- Antagonisten folgendes Ergebnis:

Vitamin-K- Antagonisten sind zur Verschlussprävention bei Venenbypässen günstiger, ASS ist besser bei nicht venösem Bypassmaterial.


Fazit

Die Abwägung der Vor- und Nachteile von Marcumar und ASS bei einer PAVK hängt ab von:

Der Art der Begleiterkrankungen
Der Art des Bypasses
Der Ausprägung der Nebenwirkungen

Und muss daher für das Wohl des Patienten von Arzt und Apotheker sorgfältig überdacht werden. Für eine Umstellung der Ernährung und kontrolliertes abnehmen wird ihnen der Apotheker, Arzt oder auch Internetportale sicherlich behilflich sein.

Quellen

[1] Fachinformation Marcumar®, Stand: April 2010. Verfügbar unter: [link], letzter Zugriff 15. Juni 2010

[2] Schneider A, Hartmann D, Arnold J, Bohrer J, Riemann J, Kasuistik der Phenprocoumon-assoziierten nekrotisierenden Hepatitis. Dtsch med Wochenschr 2001; 126(16): 457-459.Verfügbar unter: [link], letzter Zugriff 18. Juni 2010

[3] pAVK-S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), Stand: Februar 2009. Verfügbar unter: [link], 2010

[4] K.Amendt. Antikoagulation oder Antiaggregation in der Bypasschirurgie bei arterieller Verschlußkrankheit der Beine. Gefäßchirurgie 2007; 12: 63-72

[5] The Dutch Bypass Oral anticoagulants or Aspirin (BOA) Study Group (2000) Efficacy of oral anticoagulants compared with aspirin after infrainguinal bypass surgery (the Dutch Bypass Oral anticoagulants or Aspirin study): a randomised trial. Lancet; 355: 346-351

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